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80 Dinner – Tag 3

Diejenigen, bei denen das kulinarische Reisefieber ausgebrochen ist und die den exotischen Mahlzeiten der Welt entgegenfiebern, müssen jetzt tapfer sein – unsere heutige Etappe führt uns (mal wieder) nach London. Unser Reiseführer verweist diesmal auf auf das „Simpson’s Grand Divan Tavern“ ein Nobelrestaurant in dem wir uns ein 3 gängiges  Menü englischer Machart verabreichen werden.

Begonnen wird heute mit potted Shrimps. Die waren wirklich Klasse. Möglicherweise schmecken die warm sogar noch besser. Mir ist etwas viel von unserem selbst gemachten Chili reingefallen – das war der Sache nicht abträglich. Da wir nicht wussten, was Sardellenessenz ist, haben wir Sardellenpaste genommen.

potted shrimps

die „potted Shrimps“ im Pott

Als Zutat zum Roastbeef gibts Pudding. Und zwar Real British Yorkshire Pudding. Das ist quasi Eierkuchenteig, den man in Förmchen backt. Wir haben kurzerhand unser Muffinblech zweckentfremdet – das funktionierte ganz großartig. Man sollte den Schmalz wohl dosiert benutzen – das macht die Sache sehr fettig.

Real British Yorkshire Pudding

Real British Yorkshire Pudding

Das Roastbeef sollte eigentlich Beiried (bzw. Hochrippe) sein – die Verkäuferin konnte mit dem Begriff genauso wenig wie wir anfangen – also wurde es wieder Roastbeef. Das war aber vermutlich das falsche Fleisch. Hat aber trotzdem geschmeckt.

das Roastbeef

Das Roastbeef

Das Highlight diesmal ganz klar – der Nachtisch. Da wir ja schon das falsche Fleisch hatten, haben wir kurzerhand die Menge an Sherry verdoppelt, was sich als Glücksgriff herausstellte.

English Trifle

English Trifle

English Trifle

English Trifle im Schälchen – Suchtgefahr

 

Die Desaster:

  • Verschlusskappe der Milch nicht richtig zugeschraubt – unkontrollierte Milchausbreitung im Kühlschrank
  • Im Eifer des Gefechts: Zucker auf’s heisse Ceranfeld. Gott sei Dank – nix passiert

Erkenntnis des Tages:

Das Problem am Kochwein ist das Timing. Oft ist man eher betrunken, als man gegessen hat

80 Dinner – Tag 2

Unsere 80 Dinner Reise verläuft anfangs etwas zögerlich und führt uns heute ein weiteres mal in den Reform Club. Unser hochverehrter Mister Fogg schafft es, sich in den Salon des Hauses zu schleppen und dort den nächsten Gang zu ordern. Man muss hierbei ja auch bedenken, dass eine Weltreise zu Zeiten des Phileas Fogg nicht mit einer Flugticketschnäppchenjagd im Internet begann, sondern dass man über solch einer Unternehmung erst einmal zünftig dinnieren musste.
Nach der finanzverachtenden Materialschlacht des letzten Dinners (beim Preis für die Seezunge stockt mir immer noch der Atem), halten wir uns heute etwas zurück und stürzen uns auf die Kreation eines gewissen John Montagu, seines Zeichens 4. Earl of Sandwich und den Überlieferungen nach offenbar der Erfinder des Sandwich.

Für unser Sandwich verwenden wir genmaisbefütterte Biohühnchen – die kommen preismässig zwar nicht ansatzweise an die Seezunge ran – sind aber auch schon recht ordentlich. Den Rest vom Geld haben wir dann auch gleich in eine 12,49€  Flasche Chateau La Grolet (Bio – Demeter) versenkt.

Der Wein war jetzt für den Preis nicht so der "Burner"

Der Wein war jetzt für den Preis nicht so der „Burner“

kein Toaster

Weil wir keinen Toaster haben, toasten wir in der Pfanne

Salatbeilage

Wir haben zusätzlich noch einen Salat gemacht – sonst wird’s doch arg fleischlastig

Im Rezept stand was von 10cm hoher Füllung. Nach kurzer Überlegung fiel uns dann aber auf, dass wir unsere Münder vermutlich nicht so weit aufbekommen und haben daraufhin den Belag auf erträglichere Dimensionen modifiziert.

Der Toast

So sieht dann unsere Variante aus

Insgesamt waren wir doch verblüfft – das hat gut geschmeckt und satt geworden sind wir auch.

Verluste gab es diesmal nur im Rahmen eines umgekippten Glases Wein, welches unserem „grossen Buch der feinen Salate“ einen leichten Rotstich verpasste. Und ein Abtrockentuch ist infolge einer falsch eingeschalteten Herdplatte angeschruggelt.

Trockendock

Das „grosse Buch der feinen Salate“ im Trockendock

some Tunes about: Chris Whitley

Eigentlich wollte ich ja was über unseren Garten schreiben. Aber dann betörte mich die Playlist mit ein paar fast vergessenen Songs…

Chris Whitley’s Musik zu beschreiben ist schwer. Ich sag immer schwere Texte und fiebrige Gitarre. Zwirbelt sich so unter die Haut. Einer der wenigen wirklichen Gitarrengroßmeister. Der Grund, warum man sich eine Resonatorgitarre kauft oder überhaupt Gitarre lernen möchte. Der Mann, der mit seinen Tunings die abgefeimtesten Gitarristen vor Rätsel stellt. „Wie macht’n der den Ton da jetzt – is bestimmt gesequenzed“
Nö, is Akustik, live, ohne Stecker, ohne 19″ Schnickschnack. Der spielt das wirklich so… irgendwie…

Beim zweiten Stück in dem Video handelt es sich um „narcotic Prayer“ – für mich ist das eins der allergrößten Gitarrenstücke überhaupt. Kennt praktisch niemand. Unfassbar. Und irgendwie beschämend, wenn man bedenkt, mit was für einem Musikschrott man tagtäglich so  „beglückt“ wird.

 

Chris hat eine Tochter, …Trixie…

RIP Chris – we miss you
Rock on Trixie

80 Dinner – Tag 1

Begonnen wird die Reise in London – und zwar im Reform Club, den es tatsächlich gibt, der allerdings nicht den Anschein macht, als könne man da so einfach hineinspazieren wie in die Museumscafeteria.

Das erste Gericht ist dann auch gleich entsprechend nobel und wird in 5 Gänge unterteilt. Den letzten Gang – einen Tee – substituieren wir auch gleich ganz weltmännisch durch ein Glas französischen Rotwein, welches wir wiederholt gleich beim Kochen trinken. Ich bin nicht so der „schwarze Teetrinker“.
Beim Einkauf der Zutaten wird auch recht schnell die Exklusivität des Londoner Clubs hervorgehoben. Nämlich genau zu dem Zeitpunkt an dem man an der Fischtheke die erforderliche Seezunge ordert. Diese Zungen kosten derzeit 60€ pro Kg und bewegen sich damit auf dem Preisniveau von erlesenem argentinischem Rinderfilet (das Projekt drohte an diesem Punkt bereits zu scheitern – die Fleischtheke befindet sich ja gleich nebenan). Aber als Weltreisender auf den Spuren von Herrn Fogg lässt man sich von solch banalen Dingen natürlich nicht beirren – ebenso wenig wie von der Tatsache, das es quasi unmöglich ist, Mitte Januar den für Gang 4 benötigten Rhabarber käuflich im Supermarkt zu erwerben.
Da wir ja den Tee schon weglassen wollen haben wir bei den „Crumbles“ kurzerhand auf Pflaumen umgeschwenkt – das schien mir halbwegs akzeptabel. Herr Fogg würde das sicher auch verstehen.

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Die wichtigsten Zutaten liegen schonmal auf dem Operationstisch

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diese ausgefeilte Kochtechnik taufen wir kurzerhand Ampelschnippeln – grün, gelb, rot…

Bei der Lektüre des Kochkompendiums stolpert man unweigerlich über diverse Fachtermini wie z.B. pochieren oder sautieren…
Gut, wenn man da eine Hausbibliothek in der Hinterhand hat (man kann es aber auch unstylisch im Internet suchen)

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Die Teubner Küchenpraxis – nicht billig, aber immer für eine solide Erklärung gut

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selbstgemachter Gemüsefond

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der sündhaft teure Fisch benimmt sich recht platzsparend auf dem Teller

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sautierte Pilze und das Roastbeef

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Hier sollte eigentlich der Rhabarber rein – die Pflaum gingen aber auch

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statt des Tee haben wir uns für einen gediegenen Aquavit entschieden

Das geplante Menü:

  • Dover Sole ~ Seezungenfilets
  • Cock’s Reading-Sauce
  • Gegrilltes Roastbeef
  • Sautierte Pilze
  • Rhubarb Crumble ~ Pastete mit Rhabarberfüllung
  • Tea aus Clubeigenen Pflanzungen

Unsere Erkenntnisse:

  • Das Roastbeef haben wir nicht gegrillt sondern in einer Pfanne mit Deckel zubereitet. Die empfohlene Alufolienbehandlung haben wir weggelassen, würden das aber das nächste Mal wohl doch so probieren.
  • Das Fleisch möglichst dünn schneiden
  • Die Seezunge ordentlich würzen – die Sahne haben wir vergessen, fiel auch nicht weiter auf
  • Das mit den Pflaumen geht wohl auch – aber definitiv weniger Zucker nehmen. Das ganze war viel zu süß (lag vielleicht aber auch an den Pflaumen)
  • Temperaturen und Zeiten (so sie denn überhaupt angegeben sind) sollte man nicht ganz so genau nehmen

Unter dem Stichwort Kulinarium habe ich eine Karte hinterlegt, auf der man die Reise geografisch verfolgen kann.

Das 80 Dinner Projekt

Ab und zu kochen wir gern. Es ist jetzt nicht unser Lebensinhalt, wir beschäftigen uns auch nicht tagein tagaus mit Ernährungsratgebern und wir machen auch keine Raketenwissenschaft aus der Zubereitung einer Bratwurst – aber kochen macht uns schon Spass.

Mitunter kaufen wir auch Kochbücher. Vorzugsweise Schöne. Also jetzt nicht unbedingt Advanced Spiegelei mit irgendeinem Fernsehpromi auf Hochglanz. Omas Geheimrezepte vom Trödelmarkt sind da inhaltlich meist ergiebiger. Ein Kochbuch, welches ich neulich wieder im Regal fand inspirierte uns dann zu einem neuen Kochprojekt:

In 80 Diners um die Welt

80_Dinner_Kochbuch

Im Buch wird die Reise des Phileas Fogg aus dem Jules Verne Roman auf kulinarische Weise nachempfunden. Anders ausgedrückt – man kocht sich in 80 Gerichten quasi einmal um den Globus. Und wir machen das nun auch und berichten von der Reise.

Unter dem Stichwort Kulinarium habe ich eine Karte hinterlegt, auf der man die Reise geografisch verfolgen kann.