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80 Dinner – Tag 5

Coque au Vin

In der letzten Etappe vollführten wir den Schwenk von der englischen Küche (welche gemeinhin einen eher gewöhnungsbedürftigen Bekanntheitsgrad erlangt hat) hin zur großen Küche der Franzosen (welche auf unserer Reise bekanntlich einen etwas holperigen Start hatte und es ist kein großes Geheimnis, dass wir uns nach der Passage über den Ärmelkanal durchaus nach unserer englischen Clubküche zurücksehnten).

Aber nein, wir lassen uns natürlich nicht von solch einer lächerlichen Magenschleimhautattacke eines wild gewordenen Toastbrots beirren. Die Reise wird selbstverständlich weitergeführt und wir befinden uns mittlerweile in Nantes. Einer Stadt, die offenbar für die Erfindung des berühmten „Coq au Vin“ verantwortlich zeichnet.

In früherer Zeit haben wir uns schon mehrfach an diesem Klassiker versucht. Frau M. konnte sich jedoch nie so recht damit anfreunden. Eigentlich sollte der letzte Versuch des Weingeflügels nach einem Rezept von Julia Child angegangen werden – jetzt haben wir das doch anders gemacht und es war durchaus erfolgreich (mit sicherlich noch Luft nach oben). Einfach nur Wein dazu plütschern reicht eben nicht.

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bevor der Hahn mit Wein verkleckert wird, stecken wir ihn erstmal kurz in Brand

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So langsam wird das mit dem Coque au Vin ja doch was

80 Dinner – Tag 4

Croque Monsieur ~ französischer Toast

Das heutige Gericht wurde im Reiseführer als Studentenfutter vorgestellt. Es scheint wohl das viktorianische Äquivalent zu Hamburger und Pommes zu sein. In der Tat schien es nicht sonderlich aufwändig zu sein, also haben wir das mal kurzerhand abends mit eingeschoben.

Das Rezept wird mit „der französischen Variante der unverdaulichsten Form eines belegten Brotes“ umschrieben – wir können der Autorin hier nur uneingeschränkt beipflichten. Als Nachspeise zu diesem Gericht empfehlen sich Magentropfen – eine wunderbare Ergänzung.

Der französische Toast

Ich nenn es mal vorsichtig eine kulinarische Erfahrung

Der biotopische Garten

Wenn man vom Shoppen spricht (und es gibt Zeitgenossen, die geben diese Tätigkeit ernsthaft als Hobby an), dann meint man gemeinhin den Einkauf von mehr oder minder modekonformen Kleidungsstücken. Manche shoppen auch Dekorationsutensilien und früher shoppte man gern Schallplatten. Wenn ich shoppe, so spielt sich das nahezu zu 100% in baumarktähnlichen Etablissements oder eben der bäuerlichen Absatzgenossenschaft ab. Damit bin ich der fleischgewordene Albtraum der Textilindustrie. Ein Modezombie. Ich habe Kleidungsstücke, die stammen noch aus den 90ern. Aber zurück zur bäuerlichen Absatzgenossenschaft.

Neulich fand ich dort zwischen den Regalen ein völlig zerfleddertes Buch – das befand ich zwar für interessant aber bedauerlicherweise in einem nicht kaufenswertem Zustand. (Ich vermute, es ist ein Inventurartefakt, möglicherweise sogar aus den 90ern)
Bessere Gebrauchtexemplare gab’s dann im Internet.

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Der biotopische Garten: Band I bis III (gebraucht)

Schon beim Aufklappen des ersten Bandes wird dem Leser unweigerlich klar – der Garten muss verändert werden. Rasen braucht eh kein Mensch (ich habe mich sehr zum Leidwesen meines Vaters nie für Fussball interessiert).
So ein schönes Biotop fänden die Bienen sicher auch viel spannender. Und einen Gartenteich hatte ich ja immer schonmal ins Auge gefasst. Und neulich haben wir bei einer Bekannten ja auch so einen schönen Steingarten gesehen – das ist bestimmt auch biotopisch.

Also wurde kurzerhand eine schwammig definierte Worthülse zum Outdoor Großprojekt der nächsten Jahre ausgerufen.

DER BIOTOPISCHE GARTEN…

 

So passiert es dann, dass aus „mal eben bei der Bäuerlichen nach Vogelfutter gucken“ ein „Projekt epischen Ausmasses und unvorstellbarer Kosten“ wird.

80 Dinner – Tag 3

Diejenigen, bei denen das kulinarische Reisefieber ausgebrochen ist und die den exotischen Mahlzeiten der Welt entgegenfiebern, müssen jetzt tapfer sein – unsere heutige Etappe führt uns (mal wieder) nach London. Unser Reiseführer verweist diesmal auf auf das „Simpson’s Grand Divan Tavern“ ein Nobelrestaurant in dem wir uns ein 3 gängiges  Menü englischer Machart verabreichen werden.

Begonnen wird heute mit potted Shrimps. Die waren wirklich Klasse. Möglicherweise schmecken die warm sogar noch besser. Mir ist etwas viel von unserem selbst gemachten Chili reingefallen – das war der Sache nicht abträglich. Da wir nicht wussten, was Sardellenessenz ist, haben wir Sardellenpaste genommen.

potted shrimps

die „potted Shrimps“ im Pott

Als Zutat zum Roastbeef gibts Pudding. Und zwar Real British Yorkshire Pudding. Das ist quasi Eierkuchenteig, den man in Förmchen backt. Wir haben kurzerhand unser Muffinblech zweckentfremdet – das funktionierte ganz großartig. Man sollte den Schmalz wohl dosiert benutzen – das macht die Sache sehr fettig.

Real British Yorkshire Pudding

Real British Yorkshire Pudding

Das Roastbeef sollte eigentlich Beiried (bzw. Hochrippe) sein – die Verkäuferin konnte mit dem Begriff genauso wenig wie wir anfangen – also wurde es wieder Roastbeef. Das war aber vermutlich das falsche Fleisch. Hat aber trotzdem geschmeckt.

das Roastbeef

Das Roastbeef

Das Highlight diesmal ganz klar – der Nachtisch. Da wir ja schon das falsche Fleisch hatten, haben wir kurzerhand die Menge an Sherry verdoppelt, was sich als Glücksgriff herausstellte.

English Trifle

English Trifle

English Trifle

English Trifle im Schälchen – Suchtgefahr

 

Die Desaster:

  • Verschlusskappe der Milch nicht richtig zugeschraubt – unkontrollierte Milchausbreitung im Kühlschrank
  • Im Eifer des Gefechts: Zucker auf’s heisse Ceranfeld. Gott sei Dank – nix passiert

Erkenntnis des Tages:

Das Problem am Kochwein ist das Timing. Oft ist man eher betrunken, als man gegessen hat

80 Dinner – Tag 2

Unsere 80 Dinner Reise verläuft anfangs etwas zögerlich und führt uns heute ein weiteres mal in den Reform Club. Unser hochverehrter Mister Fogg schafft es, sich in den Salon des Hauses zu schleppen und dort den nächsten Gang zu ordern. Man muss hierbei ja auch bedenken, dass eine Weltreise zu Zeiten des Phileas Fogg nicht mit einer Flugticketschnäppchenjagd im Internet begann, sondern dass man über solch einer Unternehmung erst einmal zünftig dinnieren musste.
Nach der finanzverachtenden Materialschlacht des letzten Dinners (beim Preis für die Seezunge stockt mir immer noch der Atem), halten wir uns heute etwas zurück und stürzen uns auf die Kreation eines gewissen John Montagu, seines Zeichens 4. Earl of Sandwich und den Überlieferungen nach offenbar der Erfinder des Sandwich.

Für unser Sandwich verwenden wir genmaisbefütterte Biohühnchen – die kommen preismässig zwar nicht ansatzweise an die Seezunge ran – sind aber auch schon recht ordentlich. Den Rest vom Geld haben wir dann auch gleich in eine 12,49€  Flasche Chateau La Grolet (Bio – Demeter) versenkt.

Der Wein war jetzt für den Preis nicht so der "Burner"

Der Wein war jetzt für den Preis nicht so der „Burner“

kein Toaster

Weil wir keinen Toaster haben, toasten wir in der Pfanne

Salatbeilage

Wir haben zusätzlich noch einen Salat gemacht – sonst wird’s doch arg fleischlastig

Im Rezept stand was von 10cm hoher Füllung. Nach kurzer Überlegung fiel uns dann aber auf, dass wir unsere Münder vermutlich nicht so weit aufbekommen und haben daraufhin den Belag auf erträglichere Dimensionen modifiziert.

Der Toast

So sieht dann unsere Variante aus

Insgesamt waren wir doch verblüfft – das hat gut geschmeckt und satt geworden sind wir auch.

Verluste gab es diesmal nur im Rahmen eines umgekippten Glases Wein, welches unserem „grossen Buch der feinen Salate“ einen leichten Rotstich verpasste. Und ein Abtrockentuch ist infolge einer falsch eingeschalteten Herdplatte angeschruggelt.

Trockendock

Das „grosse Buch der feinen Salate“ im Trockendock